Wann multiparametrische MRt der Prostata?

Indikationen für eine multiparametrische Magnetresonanztomographie

1. Das Erkennen eines Prostatakarzinoms bei grenzwertigem oder erhöhten PSA-Wert mit fehlendem Tastbefund, oder unklarem Tastbefund


PSA

Dank hochauflösender Spulensysteme werden kleinste Veränderungen in der Prostata bis 5 mm Durchmesser erkannt. Hier spielen insbesondere die diffusionsgewichteten Bilder und die Auswertung der Kontrastmitteldynamik eine entscheidende Rolle.

Die ergänzende Spektroskopie liefert die Möglichkeit einer biochemischen Analyse und damit eine speziellen Aussage über die Art der Veränderung. In gesundem Gewebe liegen Stoffwechselprodukte (=Metaboliten) in bekannten gewebetypischen Gleichgewichtskonzentrationen vor. Stress, Funktionsstörungen oder Krankheiten können zu Verschiebungen der Metaboliten-Konzentrationen führen. Diese Konzentrations-änderungen lassen sich mit der Magnetresonanz-Spektroskopie nachweisen.

Gesunde Zellen der Prostata besitzen nämlich die Eigenschaft, den Stoff „Zitrat“ zu produzieren, zu speichern und auszuscheiden. Somit bedeuten hohe Zitrat-Konzentrationen das Vorliegen von gesundem Prostatagewebe, oder gutartigen Veränderungen, wie z.B. Entzündungen oder Narben.

In bösartigen Veränderungen ist die Konzentration von Zitrat dagegen erniedrigt, weil die Anzahl gesunder Prostatazellen auf Kosten der bösartig veränderten Zellen abnimmt. In bösartig veränderten Bereichen ist dagegen die Konzentration eines anderen Stoffes, nämlich des „Cholins“ erhöht, einem Bestandteil der Zellmembran. Dieser Stoff entsteht bei einem erhöhten Zellabbau und Zellaufbau, wie dies bei einer bösartigen Umwandlung des Gewebes geschieht.

Somit bietet die multiparametrische MRT in Ergänzung zur Tastuntersuchung und der PSA-Bestimmung im Blut, die Möglichkeit einer bildlichen Darstellung und zugleich auch biochemischen Analyse, welche in einigen Fällen die Biopsie ersparen kann.

2. Hilfe bei der Biopsieplanung

Eine weitere wichtige Funktion der MRT ist ferner die genaue Lokalisation eines verdächtigen Bereiches für eine gezielte Biopsie, damit mehrere Proben aus den krankhaften Arealen entnommen werden können, anstatt ungezielter Biopsien aller Prostataabschnitte mit möglicherweise Vorbeistechen am Karzinom, zumal wenn dieses noch sehr klein ist. Zudem ist zu berücksichtigen, dass in bis zu 70 % der Fälle eines Prostatakarzinoms in der Prostata mehrere bösartige Herde gleichzeitig auftreten können.

Die multiparametrische MRT liefert somit eine wertvolle Hilfe bei der Biopsieplanung.


PSA

Insbesondere auch bei einem negativen Biopsieergebnis, wenn von Seiten des Tastbefundes und der Blutwerte der dringende Verdacht auf ein Prostatakarzinom besteht, bietet die multiparametrische MRT eine wertvolle Ergänzung, alternativ zur Wiederholung der Biopsie, welche gleich, oder oft erst nach 6 Monaten durchgeführt würde.

Allerdings muss bei stattgehabter Biopsie berücksichtigt werden, dass durch die Manipulation und die Einblutungen durch die Einstiche eine aussagefähige Spektroskopie erst nach 2 Monaten verwertbare Ergebnisse liefert.

Daher sollte darauf geachtet werden, dass bei geplanter Biopsie, die MR-Spektroskopie vor Durchführung der Biopsie erfolgen sollte.
Auf das Ergebnis der Kernspintomographie (= MRT), d.h. die Anfertigung der Schnittbilder hat die Biopsie aber keinen Einfluss.

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