Grenzen der klassischen Vorsorge. Herausforderungen.

Klassische Vorsorge und ihre Grenzen

  • Ab dem 40sten Lebensjahr wird eine jährliche Tastuntersuchung vom Darm aus empfohlen.

  • Ferner die Bestimmung eines Blutwertes, des PSA-Wertes (PSA bedeutet: "prostataspezifisches Antigen"). Dieses von den Prostatazellen gebildete Eiweiß kann im Blut nachgewiesen werden. Werte über 4 ng/ml sind krankhaft erhöht und müssen abgeklärt werden.

  • Dies erfolgt in der Regel über eine Ultraschall-gesteuerte Biopsie.

Allerdings sind für die Tastuntersuchung und die Biopsie nicht alle Abschnitte der Prostata gleich gut zugänglich. Kleine Veränderungen im inneren Anteil der Prostata können mit dem Finger nicht ertastet werden und auch die Biopsie-Nadel kann nicht alle Regionen gleich gut erreichen.

Dabei werden bei der Biopsie bis zu 40 % der Karzinome nicht erfasst, sei es auf Grund der geringen Größe, sei es auf Grund der Lage in den vorderen Anteilen der Prostata, die eine Biopsienadel der üblichen Länge nicht erreichen kann. Bei 36-40 % der Fälle erfolgt eine Unterbewertung der Bösartigkeit, da die Biopsie aus einem Randbereich des Tumors erfolgte.

Ein weiteres Problem ist, dass auch gutartige Veränderungen der Prostata, z.B. die gutartige Vergrößerung, aber auch Entzündungen, zu einer Erhöhung des PSA-Wertes führen. Andererseits haben Studien aber gezeigt, dass 27 % der bösartigen Veränderungen nur eine leichte Erhöhung dieses Wertes von nur 2-4 ng/ml aufweisen und diese Männer daher bei nicht auffälligem Tastbefund keiner weiteren Abklärung zugeführt werden.

Die oben genannten Maßnahmen haben also eine eingeschränkte Treffsicherheit im Erkennen von bösartigen Veränderungen der Prostata. Laut Angaben aus der Literatur liegt die Treffsicherheit der Tastuntersuchung bei 23-45 %, für den PSA-Wert bei 25 %, für den transrektalen Ultraschall bei 50 % und für die Biopsie bei 35 % .

Ein weiterer wichtiger Aspekt sei hier noch erwähnt, der ein großes Dilemma bedeutet bei der Suche und der richtigen Behandlung des Prostatakarzinoms. Autopsiestudien (Ergebnisse aus Sektionen) kommen zu folgenden Ergebnissen abhängig vom Alter:

Alter der
Verstorbenen
Entdeckung von
bösartigen Zellen
30-40 Jahre 30%
50-60 Jahre 50%
>85 Jahre 75%

Berücksichtigt man auch noch die ganze Variationsbreite der Aggressivität, von ganz niedrig malignen Veränderungen, die zeitlebens keiner Therapie bedürfen, bis zu hochaggressiven Tumoren, die möglichst früh behandelt werden müssen, so stellt sich in Zukunft nicht nur die Frage, ob ein Karzinom vorhanden ist, sondern eher die Frage nach der genauen Abschätzung der biologischen Aktivität, um daraus die individuell angepasste therapeutische Konsequenz zu entwickeln.

Die frühzeitige Entdeckung eines Tumors ist also genau so wichtig, wie die Vermeidung einer Überdiagnose und Überbehandlung, verbunden mit den für den Patienten enormen psychischen Belastungen bei fehlendem Überlebensvorteil.

Herausforderungen an die Bildgebung

Die Herausforderungen an die Bildgebung lauten also:
  • Auffinden von Veränderungen

  • Genaue Lokalisation zur Biopsieplanung

  • Beurteilung der Aggressivität
  • Genaue Angaben über Größe, Ausdehnung, Abgrenzung gegenüber den umgebenden Strukturen
  • Ausschluss von Absiedlungen in der näheren Umgebung, den Lymphknoten und fernen Organen

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